Jugendliche beraten Jugendliche

 

Mein Dienst bei JbJ - Jugendliche beraten Jugendliche

14:30 Uhr - Ich schnappe mein Fahrrad um pünktlich zu meinem Dienst am Kinder- und Jugendtelefon zu kommen, der um 15 Uhr beginnt.

14:45 Uhr - Nachdem ich mir einen Kaffee (und meiner Mitberaterin Tee) gekocht habe, setze ich mich vor das Telefon und trage mich in eine Liste ein, mithilfe derer man immer nachvollziehen kann, wer, wann und wie lange am Telefon beraten hat.

14:49 Uhr - Ich stelle den Anrufbeantworter des Kinder- und Jugendtelefons ab, der allen Anrufern die genauen Zeitangaben mitteilt, wann jemand vom Kinderschutzbund zu erreichen ist. (Montags bis freitags von 15.00 - 19.00 Uhr, sowie samstags zur selben Uhrzeit bei JbJ)

15:00 Uhr - Sofort klingelt das Telefon und ich hebe ab. Ein Scherzanruf…ganz lustig für den Einstieg; aber ich hoffe, dass es bei diesem einen bleiben wird, da ich weiß, wie viele Kinder und Jugendliche bei der „Nummer gegen Kummer“ anrufen und über echte Sorgen, die sie auf dem Herzen haben, sprechen möchten. Das versuche ich den Spaßmachern auch immer klarzumachen.

Nach jedem Telefonat erfolgt eine kurze Rücksprache mit meinem Partner, der neben mir sitzt. Bei JbJ sitzen nämlich immer zwei jugendliche Berater am Telefon, um sich gegenseitig zu unterstützen und dem Anrufer zusätzliche Ideen und Lösungsvorschläge vermitteln zu können.

In unserer Ausbildung, die jeder Berater des Kinderschutzbundes absolviert hat, haben wir eine Beratungstechnik kennen gelernt, die sich dadurch auszeichnet, dass sich die beiden Berater während eines Telefonats untereinander besprechen können. Der Anrufer bleibt dabei am Apparat und hört diese Beratung mit an: So kann er hören, wie ein Außenstehender seine Situation beurteilt, und bekommt vielleicht ein klareres Bild von seinem Problem und sogar Lösungsansätze, über die er vorher gar nicht nachgedacht hat. Bevor wir uns aber untereinander besprechen, wird der Anrufer selbstverständlich gefragt, ob er damit einverstanden ist.

Die Gespräche nach den Telefonaten, die wir Jugendliche führen, dienen dazu, darüber zu sprechen, was während des Gesprächs gut und was weniger gut gelaufen ist: „Wieso hat der Anrufer so reagiert“, „Wie hätte ich ihm besser weiterhelfen können?“

Auch gibt es manchmal für uns jugendliche Berater Situationen, mit denen wir nicht klarkommen und über die wir sprechen müssen. Alle Gespräche bleiben jedoch unter uns, denn die Anonymität, anrufen zu können ohne seinen Namen, sein Alter, seinen Wohnort nennen zu müssen, steht an erster Stelle. Jeder soll die Chance haben, frei über alle Dinge reden zu können, die ihn beschäftigen.

Das können übrigens auch schöne Dinge sein: Wenn man gerade sehr glücklich ist und das Bedürfnis hat, sich jemandem mitzuteilen, kann man ebenso beim Kinder- und Jugendtelefon anrufen.

17:00 Uhr - Klopf, klopf, wer ist da? Ah, unsere Ablösung! Von 17.00 bis 19.00 Uhr sind nämlich zwei andere Jugendliche am Telefon. Ich räume meinen Platz und überlasse den neuen Beratern das Telefon.

17:05 - Ich fühle mich gut, heute konnten ich und mein Partner einigen Kindern und Jugendlichen bei ihren Problemen weiterhelfen. Wir haben ihnen zugehört, sie erzählen lassen und mit ihnen gemeinsame Schritte in Richtung Problemlösung gemacht. Manchmal haben wir sie auch weiter verwiesen und zwar an Beratungsstellen in ihrer Umgebung, an die sie sich wenden und wo sie mit einem Berater persönlich über ihre Anliegen sprechen können.

Jetzt schwing ich mich auf mein Fahrrad und radle nachhause!

 Bis zum nächsten Mal, vielleicht bei „Jugendliche beraten Jugendliche“, samstags von 15:00 bis 19:00 Uhr. Die Rufnummer lautet 0800 - 111 03 33.
 

JbJ- Jugendliche beraten Jugendliche: Ein gutes Konzept, finden wir. Denn manchmal fühlt man sich von Jugendlichen seines Alters einfach besser verstanden. Gerade, wenn es um Themen wie Freundschaft, Schule, Streit und Sexualität geht.

Interessante Infos für Euch unter www.jugend.cx