Wie Kinder schon im Grundschulalter die Kluft zwischen Arm und Reich erleben
Die verhallenden Gongklänge signalisieren den ersehnten Schulschluss. Tosend schießen die 6- bis 10-Jährigen aus ihren Klassenzimmern ins Freie. Die kostenpflichtige Nachmittagsbetreuung rüstet sich für ihren Einsatz und warmer Essensduft nach Gekochtem durchdringt Foyer und Flure des Schulgebäudes. Das zu einem Speisesaal umfunktionierte ehemalige Klassenzimmer füllt sich lärmend mit Schülerinnen und Schülern, die am Nachmittag in der Schule versorgt und betreut werden.
Zwei 10-jährige Mädchen werden von einer unserer Schülerpatinnen erwartet, die mit ihnen ihre Hausaufgaben macht und das Lesen und Schreiben übt. Sie freuen sich auf die nächsten zwei Stunden, weil ihre besser gewordenen Leistungen sowohl in ihrer Familie als auch bei den Lehrern gelobt werden. „Ich habe Hunger“, begrüßen sie ihre Patin. „Habt ihr nichts gegessen?", wollte diese wissen. „Nein, meine Mama arbeitet noch“ und „es war nichts im Kühlschrank“. „Warum können wir nicht hier was essen?“, erkundigte sich die eine und erhielt sofort von ihrer Mitschülerin die Antwort: „Weil das was kostet!"
Damit die beiden Mädchen an diesem Tag etwas zum Essen erhielten, ging die Patin zu der Essensausgabe und durch Bitten und einem Beitrag der Patin in die Kaffeekasse der Damen bei der Essensausgabe erreichte sie, dass den Schülerinnen von dem, was in den großen Töpfen übrig blieb, jede einen Teller mit einem Hühnchenschenkel und einem Klecks Reis mit roter Soße vor sich hatte. Strahlend leerten beide ihre Teller bis auf das letzte Reiskorn.
„Das war unser Lieblingsessen“, war ihr Dank an ihre Patin.
Der Deutsche Kinderschutzbund, Ortsverband Saarbrücken, ist der Meinung, dass gerade in Stadtvierteln mit überwiegend sozial schwacher Bevölkerung und hohem Anteil nichtdeutscher Familien die Versorgung in der Schule für alle Kinder gleich sein muss, gleichgültig, ob die Eltern in der Lage sind, das Essengeld zu zahlen oder nicht.
Die Diskussion der Problematik darf nicht in die Schulen an die Essensausgabe verlagert werden.


